lebe hochsensibel
der Verein in Münster
| Hochsensibilität | und Hochsensitivität sind keine Krankheiten, auch wenn es sich gelegentlich so anfühlen mag.

Das Nervensystem arbeitet wie ein Filter. Es selektiert sämtliche Impulse nach Art und Umfang. Bei Hochsensiblen funktioniert dieser Filter anders als bei Normalsensiblen. Daher haben sie eine erhöhte Empfänglichkeit für äußere wie innere Reize.

Viele wissen es vielleicht gar nicht, das sie hochsensibel sind, denn wer nicht an seiner Veranlagung leidet und in einem Umfeld lebt, wo seine Wesensmerkmale geschätzt werden, wird sich kaum auf die Suche machen.

Das veranlagungsbedingte Wesensmerkmal Hochsensibilität ist ein Gesamtpaket mit Licht- und Schattenseiten. Mit der Hochsensibilität einhergehende Befähigungen und Begabungen stehen Begrenzungen und Belastungen gegenüber. Und auch jedes Charakteristikum für sich genommen kann von Vor- oder Nachteil sein, je nach Lebenslage, aktueller Anforderung, konkretem Vorhaben und persönlichen Zielen. Es kann als wertvolle Qualität wirken und in seiner Übersteigerung in einen unerfreulichen Bereich abrutschen. Es kommt darauf an, wie der Einzelne damit umgeht und inwieweit es ihm gelingt, die Balance zu halten.

In Deutschland ist die Hochsensibilität allerdings noch nicht so angesehen. Man gilt leicht als schwach, weniger leistungsstark oder auch ungesellig, wenn man sich wegen zu stark empfundener Reize mal zurückzieht.

 

HIGHLY SENSITIVE PERSON...kurz HSP

Der Begriff wurde von der amerikanischen Psychologieprofessorin und Psychotherapeutin Elaine Aron geprägt. Sie näherte sich vor rund 20 Jahren erstmals dem Thema Hochsensibilität mittels Fragebögen, 1996 packte sie ihre Forschungsergebnisse in das Buch "The Highly Sensitive Person", das in 70 Sprachen übersetzt wurde und als Standardwerk zum Thema gilt.

 

Fakten

  • ca. 15-20 Prozent der Menschheit ist empfindsamer als der Rest also jeder FÜNFTE ist hochsensibel.
  • Hochsensibilität ist vererbt, kann aber auch Generationen überspringen.
  • Der Anteil von hochsensiblen Männern und Frauen ist gleich.
  • Hochsensibilität macht sich am stärksten in der Kindheit und ab ca. 25 Jahren bemerkbar. In der Adoleszenz (Pubertät) zeigt sich die Hochsensibilität durch die andere Hormonproduktion weniger.
  • 70 % der HSP`ler (hochsensible Personen) sind Introvertiert - 30 % extrovertiert
  • Hochsensibilität ist keine Krankheit, sondern eine Charakterausprägung, die wichtig ist, um das menschliche Fortbestehen zu sichern.
  • Eine starke Sensibilisierung kann auch durch ein starkes lebensbedrohliches Trauma entstehen. Diese nimmt dann nach Verarbeitung des Geschehenen wieder ab.
  • Auch bei den höheren Säugetieren ist der Prozentsatz einer bis zu 20%igen Hochsensibilität nachgewiesen
  • Bei hochsensiblen Personen kommt es häufiger zur Adrenalinproduktion. Kommt es zu mehreren Adrenalinausschüttungen hintereinander, ohne dass sich der Körper dazwischen regenerieren kann, bildet der Körper Cortisol - Das "Dauerstresshormon".
  • HSP haben generell einen höheren Cortisolwert als Normalsensible.
  • Cortisol braucht 10 - 20 Minuten bis es wirkt.
Der Abbau von Cortisol dauert mehrere Stunden bis Tage. Ein zu hoher Cortisolwert ist auch verantwortlich für das "Emotionale Nachhallen", von dem hochsensible Menschen oft berichten. Eine kleine Auslösesituation kann dafür sorgen, dass ein unangenehmes Gefühl, ein Problemgedanke manchmal sogar über Tage präsent ist. z.B. Ein bewegender Film kann dann zur Folge haben, dass Sie stundenlang traurig sind. Zudem senkt sich bei einem hohen Cortisolwert die Serotoninproduktion. Serotonin ist unser "Wohlfühlhormon".

 

Was ist Hochsensibilität

Hochsensibilität ist ein Phänomen, bei dem Betroffene stärker als der Durchschnitt auf Reize reagieren, diese viel eingehender wahrnehmen und verarbeiten. Schon zu Urzeiten war es wichtig, dass es Menschen gibt, die alles im Blick haben, die Gefahren schnell erkennen und bedacht handeln. Ihre erhöhte Sinneswahrnehmung ermöglichte es Ihnen, Gefahren lange vor den "normal Sensiblen" zu hören, sehen, riechen, schmecken und spüren. Sie waren achtsam und vorausschauend, während die anderen Territorien erkundeten, jagten und ihr Revier aktiv verteidigten. HSP sind häufig in der Reflexion, ob das Wahrgenommene ein Anzeichen für eine Gefahr sein könnte.

Grundlegend zeigen Hochsensible zwei typische Charakteristika
  • Sie nehmen in neuen Situationen eine beobachtende Haltung ein.
  • Sie haben eine sehr ausgeprägte Sinneswahrnehmung.


Beispiel:
Claudia nimmt zum ersten Mal an einem Treffen auf dem Hundeplatz teil. Sie tritt erst einmal sehr ruhig auf und beobachtet die Situation. Nur ein paar Fragen die ihr durch den Kopf gehen:

Wer fühlt sich wohl? - Wer hat den dominanteren Part? - Wer passt sich an? -Wer ist ihr wohl gesonnen? - Wer ist eher negativ eingestellt? - Wer strahlt Aggressivität aus? - Was wird erwartet, um dazu zu gehören? - Wer riecht für sie unangenehm? - Wo bekommt sie möglichst wenig Geräusche (z.B. Radiomusik) mit? - Wo hat sie genug Platz zum Sitzen? - Wie ist die Inneneinrichtung? - Ist es sauber, geschmackvoll? - Wie kleiden sich die Teilnehmer? - Ist sie richtig gekleidet? - Wie wirkt sie auf andere Teilnehmer? - Was denken die anderen über Sie?

Das alles erfährt Claudia, indem sie die Situation mit Ihren Sinnen genau abscannt. Sie "beobachtet" Körperhaltungen, Gestiken, minimale mimische Bewegungen, Entfernungen der einzelnen Personen untereinander, Worte, Betonung, Sprachlautstärke, nicht gesagte Worte, wann redet wer, wie? - außerdem hat Sie ein gutes Gespür, welche Stimmung die einzelnen ausstrahlen. Das alles schafft sie in drei Minuten. In der Regel läuft dieser Vorgang nicht bewusst ab. Sie können sich vorstellen, dass dieses Vorgehen ganz schön anstrengend sein kann. Aus diesem Grund meiden viele Hochsensible Gruppensituationen, da diese sehr viel Kraft kosten.

 



 

 

Allgemeine Merkmale

Die Bandbreite möglicher Erscheinungsformen von Hochsensibilität wird als sehr groß dargestellt: Praktisch jeder Sinneseindruck könne stärker und damit detaillierter wahrgenommen werden häufig wird auch von höherer Intensität des Empfindens von Stimmungen der Mitmenschen berichtet.

Die folgenden Eigenschaften treten häufig bei hochsensiblen Menschen auf:

  • ausgeprägte subtile Wahrnehmung (vielschichtige Fantasie und Gedankengänge)
  • erhöhte Schmerzempfindlichkeit
  • detailreiche Wahrnehmung
  • hohe Begeisterungsfähigkeit, sehr vielseitige Interessen
  • hohe Eigenverantwortung und Wunsch nach Unabhängigkeit
  • sehr ausgeprägtes Langzeitgedächtnis
  • psychosoziale Feinwahrnehmung (Befindlichkeiten, Stimmungen und Emotionen anderer Menschen werden leichter und detaillierter erkannt)
  • stärker beeinflussbar durch Stimmungen anderer Menschen
  • ausgeprägtes intuitives Denken, häufig verbunden mit der Fähigkeit zu lateralem und multiperspektivischem Denken
  • gleichzeitige Wahrnehmung vieler Details einer Situation bei hoher Verarbeitungs- und Verknüpfungstiefe kann u.U. neue Wahrnehmungsbereiche und ungewöhnliche Zusammenhänge oder Sichtweisen erschließen
  • langer emotionaler "Nachklang" des Erlebten
  • Denken in größeren Zusammenhängen
  • Ausgeprägter Gerechtigkeitssinn, starke Werteorientierung
  • Harmoniebedürfnis, Gewissenhaftigkeit, Verantwortungsbewusstsein
  • Intensives Erleben von Kunst und Musik
  • Neigung zu Selbstkritik und Perfektionismus
  • meist vielschichtige komplexe und stabile Persönlichkeit (Instabilitäten wie bei Borderline, bipolaren Störungen, Psychosen o. ä. sind kein Merkmal der Hochsensibilität; dennoch können solche als Folge einer psychischen Erkrankung durchaus präsent sein)


Durch die verstärkte Reizaufnahme und ihre tiefere Verarbeitung tritt Hochsensibilität häufiger in Verbindung mit Charaktereigenschaften wie Introversion auf, oft in Verbindung mit Unsicherheiten hinsichtlich der eigenen Wahrnehmungen und Schlussfolgerungen in der Kommunikation mit anderen und intensivem Erleben zwischenmenschlicher Beziehungen. Hochsensibilität kann auch starke Reaktionen auf Medikamente, Alkohol und Koffein sowie Anfälligkeiten für Stress, Leistungsdruck und Zeitknappheit umfassen durchgesetzt.

 

HSP sehen - hören - riechen

SEHEN
Hochsensible sehen nicht besser sondern anders
Sie sehen also nicht besser. Ihr Gehirn verarbeitet die visuellen Reize nur anders. Wenn sich in einem Raum nur eine Kleinigkeit ändert, nehmen sie das sofort wahr. Minimale mimische Veränderungen werden sofort registriert und bewertet. Unordnung bereitet ihnen Unbehagen. Sie haben einen Blick für Fehler. Hochsensible sind häufig lichtempfindlich und mögen auch kein diffuses Licht. Sie mögen Struktur und verschaffen sich zu Beginn erstmal einen Überblick. Kleinste Bewegungen, zum Beispiel eine Fliege an der Wand, nehmen Sie wahr. Laser- oder Flackerlicht können bei HSP ein körperliches Unbehagen verursachen. Kleine LED-Lampen an Geräten werden als zu grell und störend empfunden.

HÖREN
Viele Hochsensible sind geräuschempfindlich. Der Klang einer Sirene tut körperlich weh. Staubsauger und Föhn sind häufig zu laut, besonders, wenn andere sie benutzen. Menschen, die laut sprechen sind für sie anstrengend. Auch wenn sie bei Überreizung zum Teil selbst zum Lauter-Sprechen neigen. Sie hören schon den Besuch kommen, lange bevor es klingelt. Es ist für sie schwer, ein ernstes Gespräch zu führen, wenn im Hintergrund das Radio läuft. Der Krach einer viel befahrenen Straße macht sie nervös. Wenn mehrere Menschen auf einmal reden, können sie sich nur schwer auf die Stimme eines Einzelnen konzentrieren. Das Summen von Insekten tut ihnen häufig in den Ohren weh. Es fällt ihnen leicht, stimmliche Nuancen zu unterscheiden und so auf die Stimmung der sprechenden Person zu schließen.

RIECHEN
Häufig sind hochsensible Personen sehr geruchsempfindlich. Nikotin, Körpergeruch oder ein zu starkes Parfüm rauben Ihnen den Atem, führen zu Konzentrationsschwierigkeiten oder Übelkeit. Sie riechen, wenn Nahrungsmittel schlecht sind. Schmorende Kabel oder angebranntes Essen nehmen sie schneller war als "normal Sensible". Der Geruch mancher Lebensmittel kann Ihnen den Appetit verderben. Für sie zu stark riechende Blumen müssen aus dem Raum entfernt werden. Sie riechen, wenn es regnen wird und haben starke Schwierigkeiten, wenn der Drucker im Nachbarsbüro ausdünstet. Manche HSP können wortwörtlich durch Wände riechen. Hochsensible und Wohlgerüche - von den Sinnen berauscht Auf der anderen Seite lieben hochsensible angenehme Gerüche. Sie genießen den leichten Duft von Lindenblüten, können sich an angenehm riechenden Personen nicht "satt" schnuppern und lieben frische klare Luft. Viele Erinnerungen sind für sie mit Wohlgerüchen verbunden. Riechen sie den Geruch, schwelgen sie in Wohlgefühlen.

 

Intro - Extrovertierte Hochsensible

Introvertierte HSP
brauchen Möglichkeiten des Alleinseins. Sie schöpfen Ihre Kraft aus den Zeiten, in denen sie ganz bei sich sind.

Im Zusammensein mit anderen Menschen sind sie in der Regel ständig auf "Sendung". Sie reflektieren sich und ihren Gegenüber, gehen emotional und gedanklich mit. Sie haben steht's das Befinden des Anderen im Blick, hören aufmerksam zu und gehen intensiv auf den Anderen ein.

Sie haben die Gabe, ganz beim Anderen zu sein - es sei denn, sie sind überreizt. Im Umgang mit Gruppen wird diese Eigenschaft als sehr anstrengend ist. Deswegen sind introvertierte HSP am liebsten mit ein oder zwei Personen zusammen. Sie haben meistens wenige Freundschaften, die von einer starken Tiefe und Verbundenheit geprägt sind. In großen Gruppen zeigen sie sich meist zurückhaltend, bisweilen ängstlich.

Introvertierte HSP halten Ihre Gefühle (Ärger, Freude, Verletztheit, Begeisterung...) zum Teil zurück, wenn sie die Erfahrung gemacht haben, das andere Menschen auf ihre Emotionen irritiert reagieren. Zum Teil habe sie sich ein so starkes "Pokerface" zugelegt, das andere nicht mal ahnen, was in Ihnen vorgeht.

Introvertierte Hochsensible haben häufig ein öffentliches und ein privates Ich. So können sie im Job sehr fokussiert, organisiert, taff und "erwachsen" wirken. Privat zeigen sie sich eher verspielt, naiv, und manchmal etwas "verpeilt".

Introvertierte Hochsensibilität und Kommunikation Smalltalk empfinden sie als oberflächlich und anstrengend. Smalltalksituationen sind für viele introvertierte HSP unangenehm.

Sie sind eher nachdenklich. Ein Thema wird erstmal genau durchdacht und emotional nachgespürt, bevor sie sich dazu äußern. Fragt man sie, was in ihnen gerade vorgeht, dauert es, bis sie ihr inneres Erleben in Worte fassen können.

Im Mittelpunkt zu stehen ist introvertierte Hochsensiblen ein Gräuel. Auch Selbstdarstellung ist ihnen meist fremd. Sie neigen eher dazu ihr Licht unter den Scheffel zu stellen.



Extrovertierte HSP
empfinden das Zusammensein mit anderen Menschen als stärkend. Sie sind gesellig und brauchen das Miteinander, um zu Kräften zu kommen. Alleine zu sein empfinden sie eher als schwächend. Extrovertierte Hochsensible in Kontakt Sie gehen gern auf Menschen zu, und kommen leicht in Kontakt. Extrovertierte HSP haben viele Freunde und decken häufig mit ihnen jeweils unterschiedliche Bedürfnisse ab.

Das Zusammensein in Gruppen empfinden extrovertierte Hochsensible als inspirierend. Sie bringen sich gerne aktiv in die Gruppe ein und genießen die Aufmerksamkeit.

Extrovertierte Hochsensibilität und Kommunikation Sie zeigen und benennen ihre Gefühle. Sie denken laut und haben eine starke Impulskraft.

Durch ihre nach außen gelebte Begeisterungsfähigkeit ziehen sie andere mit. Extrovertierte HSP sind häufig gute Motivatoren. Extrovertierte HSP treffen schnell Entscheidungen. Diese werden im Anschluss reflektiert und gegebenenfalls korrigiert oder verworfen.

Wie extrovertierte Hochsensible lernen: Extrovertierte HSP lernen durch "Versuch und Irrtum". Sie Handeln, reflektieren dann die Auswirkungen und kehren entsprechend zur Handlung zurück.

Hat etwas das Interesse der extrovertierten HSP geweckt, kommen sie immer wieder darauf zurück, auch, wenn sie sich leicht ablenken lassen.

 

(Quellen: wikipedia, welt24.de, lösungs-coaching.de, coaching-fuer-hochsensible.de)
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